Ist der Aktienmarkt aktuell zu hoch bewertet?

Warum das Abwarten aufgrund einer hohen Aktienmarktbewertung ein Trugschluss ist und was stattdessen die Grundlage für eine mögliche Investmententscheidung sein sollte.

Aktuelle Bewertung des AktienmarktsKI-generierte Grafik.

Wie hoch ist der Aktienmarkt aktuell bewertet?

Kaum ein Börsenjahr vergeht ohne Schlagzeilen über den bevorstehenden Börsencrash. Besonders dann, wenn große Indizes neue Allzeithochs erreichen, häufen sich Warnungen vor einer Überbewertung des Aktienmarktes. Tatsächlich notieren beispielsweise der US-amerikanische Aktienmarkt und insbesondere große Technologieunternehmen aktuell über ihren historischen Durchschnittsbewertungen, während andere Regionen wie Europa oder viele Schwellenländer deutlich moderater bewertet sind. Eine hohe Bewertung kann zukünftige Renditen zwar beeinflussen, erlaubt jedoch keinerlei Aussage darüber, wann eine Korrektur tatsächlich eintritt.

Genau darin liegt das Problem vieler Schlagzeilen. Sie erzeugen den Eindruck, dass ein Börsencrash unmittelbar bevorsteht und Anleger deshalb besser abwarten sollten. Die Börse funktioniert jedoch nicht nach Schlagzeilen. Märkte können über Jahre hinweg hoch bewertet bleiben und dennoch weiter steigen. Gleichzeitig können günstige Märkte über längere Zeit günstig bleiben. Für meine Investmententscheidungen spielt deshalb die Frage, ob der Gesamtmarkt heute teuer oder günstig erscheint eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist vielmehr, ob einzelne Unternehmen oder ETFs, im Einklang mit meiner Strategie zu einer Bewertung gehandelt werden, die ich langfristig für attraktiv halte.

Immer wieder liest man Schlagzeilen wie: „Der Aktienmarkt erreicht ein neues Allzeithoch.“ Für viele Anleger ist das ein Warnsignal. Die Angst ist groß, genau zum ungünstigsten Zeitpunkt einzusteigen und kurze Zeit später eine deutliche Korrektur zu erleben. Betrachtet man jedoch die langfristige Entwicklung der Börsen, wird schnell deutlich, dass neue Höchststände keineswegs außergewöhnlich sind. Im Gegenteil: Ein langfristig wachsender Aktienmarkt erreicht regelmäßig neue Rekordstände. Unternehmen steigern ihre Gewinne, erhöhen ihre Dividenden und schaffen dadurch nachhaltig Wert für ihre Aktionäre. Genau deshalb notieren große Indizes wie der S&P 500 oder der MSCI World über viele Jahre hinweg immer wieder auf neuen Höchstständen.

„Wer langfristig steigende Unternehmensgewinne erwartet, sollte sich über langfristig steigende Aktienkurse nicht wundern.“

— DividendenFreiheit

Nicht der Markt entscheidet über meinen Einstieg

Für meine Investmententscheidungen spielt die Bewertung des gesamten Aktienmarktes daher nur eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist die Frage, ob in Frage kommende Unternehmen oder ETFs aktuell attraktiv bewertet sind. Selbst in einem insgesamt hoch bewerteten Markt finden sich regelmäßig Unternehmen, deren Kursentwicklung hinter den Fundamentaldaten zurückgeblieben ist. Gleichzeitig können sich in schwachen Börsenphasen auch deutlich überbewertete Aktien befinden. Deshalb konzentriere ich mich bewusst auf die Bewertung jedes einzelnen Investments und nicht auf den aktuellen Stand eines Index.

Fundamentalanalyse als Basis – Charttechnik als Ergänzung

Die Grundlage jeder Kaufentscheidung bildet für mich die Fundamentalanalyse. Ich investiere ausschließlich in Unternehmen, deren Geschäftsmodell ich verstehe und denen ich langfristig steigende Gewinne, stabile Cashflows und wachsende Dividenden zutraue. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, werfe ich einen Blick auf den Chart. Dabei geht es mir nicht darum, kurzfristige Kursbewegungen vorherzusagen oder den perfekten Einstiegszeitpunkt zu finden. Vielmehr nutze ich einige einfache charttechnische Werkzeuge als Ergänzung meiner fundamentalen Bewertung.

Besonders achte ich dabei auf den langfristigen Trend, die 200-Tage-Linie, mögliche Unterstützungen und Widerstände sowie auf Bodenbildungsphasen nach größeren Kursrückgängen. Diese Faktoren entscheiden für mich jedoch niemals darüber, ob ich ein Unternehmen kaufe. Sie helfen lediglich dabei, meine Käufe sinnvoll in mehrere Tranchen aufzuteilen und emotionale Entscheidungen zu vermeiden.

Qualität schlägt perfektes Timing

Viele Anleger verbringen viel Zeit damit, den vermeintlich perfekten Einstiegszeitpunkt zu finden. Aus meiner Sicht wird dessen Bedeutung jedoch häufig überschätzt. Ob ich ein Qualitäts-Unternehmen zehn Prozent günstiger oder zehn Prozent teurer kaufe, wird nach zehn oder zwanzig Jahren nur noch eine verschwindend geringe Relevanz haben. Wesentlich wichtiger ist die Qualität des Unternehmens selbst. Kann es seine Gewinne steigern? Erwirtschaftet es dauerhaft hohe Cashflows? Erhöht es seine Dividende über viele Jahre hinweg? Genau diese Eigenschaften entscheiden langfristig über den Anlageerfolg – nicht der exakte Kaufkurs.

Mein persönliches Fazit

Ich lasse meine Investmententscheidungen deshalb nicht von Schlagzeilen oder kurzfristigen Marktbewegungen beeinflussen. Statt auf den nächsten Rücksetzer des Gesamtmarktes zu warten, investiere ich dann, wenn ich qualitativ hochwertige Unternehmen oder ETFs zu einer aus meiner Sicht attraktiven Bewertung kaufen kann. Die Charttechnik dient mir dabei lediglich als Orientierung für den Einstieg in mehreren Tranchen. Langfristig entsteht Vermögen jedoch nicht durch perfektes Timing, sondern durch den Besitz hervorragender Unternehmen, die Jahr für Jahr ihren Wert für ihre Aktionäre steigern.